Gestickte Porträts von Cayce Zavaglia

Cayce Zavaglia sieht sich selbst eigentlich als Malerin und empfindet es als schwierig diese gestickten Porträts nicht als Gemälde zu bezeichnen. Auch wenn das Medium ihrer Kunst einfache Wolle ist, bedient sie sich hauptsächlich der traditionellen Techniken der Malerei und des Zeichnens.

Zuerst nutzte Cayce herkömmliche Farbe, die überall erhältlich ist, was sich allerdings schnell als frustrierend herausstellte. Denn ungleich Maler kann sie nicht einfach den passenden Farbton an mischen. Mit der Zeit entwickelte sie ein System die Fäden so zu nähen, dass sie den Anschein einer bestimmten Farbe bzw. des gewünschten Tons erzielten. Es stellte sich heraus, dass die Fäden ganz wie die Striche in einem Gemälde eine bestimmte Ausrichtung und in Schichten angelegt werden mussten, um das Gefühle von Tiefe, Volumen und Form zu erzielen. Schritt für Schritt wurden die Stiche immer fester und komplexer bis sie eine wirkliche Ähnlichkeit mit Haut und Haaren besaßen.

In ihrer Arbeit sieht man den Einfluss der Tapisserie in Verbindung mit einer lebendigen Begeisterung für Handarbeit. Indem sie Wolle statt Ölfarben zur Erschaffung ihrer Porträts benutzt, erweitert sie den herkömmlichen Dialog zwischen Porträt und dem Erschaffungsprozess und fordert ein Überdenken der Definition „Gemälde“.

Wenn Sie die Kunstwerke von Cayce Zavaglia mal live sehen möchten und zufällig Mitte November in New York sind, dann schauen Sie doch einfach mal in der Lyons Wier Gallery in Chelsea vorbei. Für alle, die wie ich in good old Germany bleiben, kann ich das Buch “PUSH Stitchery: 30 Artists Explore the Boundaries of Stitched Art” von Jamie Chalmersempfehlen. Der 30 verschiedene Künstler vorstellt, die alle traditionelle Handwerkskunst durch ihre Arbeit neu definieren.

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